„Rein in die Kartoffeln, raus aus den Kartoffeln“
Ein Lehrstück aus dem deutschen Baualltag
Heute möchte ich über ein Bauvorhaben in Berlin berichten, das ich ganz bewusst nicht namentlich nenne. Nicht, weil es ein Einzelfall ist – sondern genau aus dem Gegenteil:
Es steht exemplarisch für ein Phänomen, das mir im deutschen Baugewerbe immer wieder begegnet.
Wir sind als Fachfirma für Sichtbeton-Kosmetik und Betonsanierung regelmäßig auf Hochbauprojekten mit Bausummen jenseits der fünf Millionen Euro im Einsatz. Fast immer dann, wenn es Mängelanzeigen am Beton gibt – also Beanstandungen von Bauherren oder Architekten gegenüber der ausführenden Baufirma.
Der Ablauf ist dabei erstaunlich konstant.
Wenn Mängel auftreten – und niemand sie eingeplant hat
Die ausführenden Firmen holen uns dazu, schauen sich die Situation mit uns an und möchten – verständlicherweise – eine möglichst günstige Lösung.
Schließlich sind diese Nacharbeiten selten eingeplant. Sichtbeton wird hergestellt, abgenommen – und erst danach wird festgestellt, dass er nicht den Erwartungen entspricht.
Das ist nachvollziehbar.
Die Auftragsvergabe im Hochbau läuft nach wie vor maßgeblich über den Preis. Wer vorsorglich Nachbearbeitungen einkalkuliert, verschafft sich keinen Wettbewerbsvorteil.
Klug wäre es trotzdem – aber das ist ein anderes Thema.
Dreimal gleiche Baustelle. Dreimal gleiche Aussage. Dreimal kein Auftrag.
In diesem konkreten Projekt war ich dreimal auf derselben Baustelle.
Jedes Mal mit dem gleichen Thema.
Und jedes Mal mit der gleichen fachlichen Einschätzung:
Ja, wir können diese Leistung ausführen.
Nein, wir können uns nicht vorab auf einen festen Preis festlegen, solange die gewünschte Qualität nicht definiert ist.
Aus unserer Sicht ist das alternativlos.
Sichtbeton-Kosmetik ohne Bemusterung, ohne klar definiertes Zielbild, ohne abgestimmte Erwartungshaltung – das ist fachlich unseriös.
Dreimal haben wir den Auftrag nicht bekommen.
Stattdessen wurde jeweils eine andere Firma beauftragt, die offenbar bereit war, sich auf eine feste Preisbindungeinzulassen – ohne den Aufwand wirklich über Muster zu klären.
Und jedes Mal passierte das Gleiche:
Wir wurden erneut auf die Baustelle gerufen, um uns das Ergebnis anzusehen.
Weil es – wenig überraschend – nicht funktioniert hatte.
Viertes Mal. Neuer Bauleiter. Gleiche Geschichte.
Beim vierten Besuch war alles wie neu:
Neuer Bauleiter. Neuer Ansprechpartner. Neues Gespräch.
Ich erkläre wieder das Gleiche.
Ich schlage mehrere Bearbeitungsvarianten vor.
Ich biete an, direkt mit dem Bauherrn zu sprechen, um sauber herauszuarbeiten, was wirklich gewünscht ist – damit die Lösung zielgenau und am Ende so günstig wie möglich wird.
Ich nenne sogar einen groben Quadratmeterpreis – sage aber klipp und klar, dass dieser vom Ergebnis der Bemusterung abhängt.
Ich schlage vor, mehrere Muster anzulegen, den Bauherrn auswählen zu lassen und gemeinsam die preislich sinnvollste Variante zu vertreten.
Der Bauleiter wirkt überzeugt.
Ich biete das Muster an.
Eine Woche später höre ich nichts.
Ich rufe an.
Antwort: Man habe nun doch wieder eine andere Firma beauftragt, weil wir „keinen klaren Preis genannt“ hätten.
Rein in die Kartoffeln. Raus aus den Kartoffeln.
Ich nenne das:
Rein in die Kartoffeln – raus aus den Kartoffeln.
Es gibt in vielen Bauunternehmen keine klare Struktur für Mangelbeseitigung.
Keine saubere Haltung zur Sichtbeton-Kosmetik.
Keine klare Kommunikationslinie mit dem Bauherrn.
Stattdessen passiert Folgendes:
- Es werden immer neue Nachunternehmer geholt
- Immer wieder Beratung eingeholt
- Und immer wieder versucht, Fachfirmen von ihrer eigenen Expertise abzubringen
Das Erstaunliche:
Gleichzeitig hören wir immer wieder Sätze wie:
„Herr Sommer, Sie sind die Besten.“
„Wir wollen unbedingt, dass Sie das machen.“
„Kommen Sie bitte vorbei, dann bekommen Sie auch den Auftrag.“
Ich sage jedes Mal offen:
Ich mache es nur so, wie beschrieben.
Alles andere ist fachlich falsch.
Und jedes Mal passiert trotzdem dasselbe:
Es wird wieder die billigste Zusage genommen.
Das Ergebnis: Frust, Zeitverlust – und akzeptierter Mangel
Am Ende führt dieser Weg fast immer dazu, dass:
- die Sichtbetonqualität nicht wirklich besser wird
- endlose Gespräche, Streitigkeiten und Nachverhandlungen entstehen
- und der Bauherr irgendwann die Qualität zähneknirschend akzeptiert
Nicht, weil sie gut ist –
sondern weil niemand mehr Energie übrig hat.
Das kostet Zeit, Geld und Nerven.
Und bringt niemandem etwas.
Außer vielleicht dem nächsten Unternehmen, das bereit ist, einen Preis zu nennen, den es eigentlich nicht seriös kalkulieren kann.
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Wenden Sie sich für alle Projektanfragen, die unser Leistungsportfolio umfassen, gerne an Tina Apfelbaum in der Bauvorbereitung. Für Fragen zu einer möglichen Partnerschaft oder einer Firmenvorstellung freut sich Hagen Koepke im Office Berlin auf Ihre Anfrage.


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